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Studierende entwickeln Zukunftskonzepte für Weißenfelser Neustadt

Seit dem Jahr 2023 arbeiten Lehrende und Studierende der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf mit der Stadt Weißenfels im Rahmen des T!Raum-Projektes zusammen. Dabei haben die Studierenden Konzepte zur Quartiersentwicklung der gründerzeitlichen Neustadt entwickelt. Die Ergebnisse der Arbeiten stellten Professorin Sonja Hörster von der Fakultät für Landschaftsarchitektur und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Marie-Luise Schega am 16. Juni 2026 im Weißenfelser Ratssaal vor. Oberbürgermeister Martin Papke sowie Verantwortungsträgerinnen und -träger aus Verwaltung, Politik und Gesellschaft diskutierten anschließend über die Entwürfe. Dabei wurden die Pläne nicht nur kritisch unter die Lupe genommen. Besprochen wurde unter andrem auch, welche Maßnahmen aus den studentischen Konzepten sich kurzfristig oder mittelfristig in der Praxis umsetzen lassen. Zudem haben die Beteiligten entschieden, dass die Arbeiten zum Weißenfelser Stadtfest, das vom 27. bis 30. August 2026 stattfindet, öffentlich im ehemaligen Müller-Kaufhaus präsentiert werden sollen. Außerdem wird die Hochschule beim Neustadtfest am 25. September 2026 mit einem eigenen Stand vertreten sein, um mit den Bürgerinnen und Bürgern über die planerischen Konzepte der Studierenden zu sprechen. 

Vor diesem Hintergrund haben die Verantwortlichen der Stadtverwaltung die Arbeitsergebnisse der Studierenden mit besonderem Interesse begutachtet. Auf Zustimmung stieß beispielsweise das Konzept „Klimaresiliente Stadt“ mit den sogenannten „Innenhof-Hölzchen“. Die Idee: Die Stadt Weißenfels unterstützt Menschen dabei, ihre Höfe mit professionellen Planerinnen und Planern zu grünen Oasen umzugestalten und dabei beispielsweise auch Kunstwerke einzubeziehen.

Eine Gemeinsamkeit vieler Konzepte ist die Verbindung von baulichen Maßnahmen mit sozialer Belebung. So schlagen die Studierenden beispielweise im Konzept „Begegnungsstadt“ ein gestalterisches Straßenfest mit Bau- und Beteiligungsaktionen vor.

Für polarisierende Reaktionen hat das Konzept „Dreiklang an der Achse“ gesorgt, welches eine Umgestaltung der Merseburger Straße vorsieht. Die Straße wird von den Studierenden aktuell aufgrund der parkenden Autos und des hohen Verkehrsaufkommens als „Barriere“ wahrgenommen. In dem Ansatz wird vorgeschlagen, mithilfe eines Tempolimits, eines Kreisverkehrs und vieler Grünflächen aus der Hauptverkehrsstraße eine Entwicklungsachse zu gestalten. Entlang dieser Achse entstehen entsprechend des Konzeptes Räume für Wohnen, Gewerbe und Kultur. Ein mutiger Ansatz, der im Rahmen der Präsentation sehr kontrovers besprochen wurde, denn die Sorge vor Verkehrsstau und Einschränkungen der Funktion der Merseburger Straße waren großen. Einig waren sich alle Beteiligten aber darin, dass die Gestaltung der Merseburger Straße ein Schlüsselthema für die Quartiersentwicklung sein wird.

Rückblick:
Bereits im Mai 2025 fand eine erste Erkundung der Fakultäten Stadt- und Landschaftsarchitektur der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Weißenfels statt. Ziel war es, ein geeignetes Stadtquartier für das Studienprojekt zu finden. Die Wahl der Hochschule fiel auf das gründerzeitliche Stadtquartier der Neustadt mit seinen vielfältigen Herausforderungen.

Im Rahmen einer Projektwoche mit Planungswerkstatt und sogenannten Open Studios im Oktober 2025 machten sich etwa 60 Studierende ein Bild von den örtlichen Begebenheiten, Herausforderungen und Chancen. Auf Grundlage ihrer Recherchen sollten die jungen Frauen und Männer ein zukunftsorientiertes freiraumplanerisches Leitbild samt Umsetzungszeitschiene und Beteiligungsprozess für die Neustadt entwickeln. In der Projektwoche wurden auch Bürgerinnen und Bürger ins Kulturhaus eingeladen und konnten ihre Ideen zu verschiedenen Themenfeldern in drei Diskussionsrunden einbringen. Hierfür hatte das Amt für Sozialraumentwicklung der Stadt Weißenfels mehr als 800 Einladungsschreiben verschickt und auch öffentlich über die städtischen Kanäle zur Beteiligung aufgerufen. Bei der Planungswerkstatt stand nicht nur die räumliche Entwicklung der Neustadt im Fokus. In den Gesprächen ging es zum Beispiel auch um klimagerechte Baukultur und um den Einfluss von wertstiftenden Erzählungen über die Neustadt auf deren Entwicklungschancen. Auf Basis der eigenen Analysen, der Vor-Ort-Untersuchungen, der Recherchen sowie der Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern erarbeiteten die Studierenden Strategien und räumliche Ideen zur Neugestaltung der Neustadt, um die soziale und kulturelle Vielfalt positiv weiterzuentwickeln. Der Fokus aller Konzepte lag auf Transformation und Teilhabe. Öffentlicher Raum soll demnach zugänglich gestaltet werden, verschiedene Bevölkerungsgruppen integrieren und neue Bewohnerinnen und Bewohner langfristig anziehen. Alle Konzepte sind zunächst Vorschläge der Studierenden. Ob und wie Ansätze daraus umgesetzt werden, wird sich im weiteren Stadtentwicklungsprozess zeigen.

Wie geht es weiter?
Parallel zum T!Raum-Projekt hat die Stadt Weißenfels die Vorbereitungen für die Festlegung des Sanierungsgebietes „Neustadt Gründerzeit“ vorangetrieben. In diesem Zusammenhang wurde eine vorbereitende Untersuchung zum Sanierungsgebiet durchgeführt und ein Sanierungskonzept entwickelt. Im Juni 2026 erfolgte zu diesem Sachverhalt ein positiver Stadtratsbeschluss. Nach der Bekanntmachung im Amtsblatt fällt am 31. Juli 2026 der Startschuss für das Sanierungsgebiet „Neustadt Gründerzeit“. Die Stadt Weißenfels hofft damitweiterhin auf eine rege Beteiligung und das Engagement von Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Bewohnerinnen und Bewohnern zur Entwicklung der Neustadt.

Hintergrund:
Die T!Raum-Initiative „Handlungskompetenz der Kommunen stärken - Transfer durch Kokreation“ wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Gesellschaft zu überführen, um Lösungen für Strukturprobleme kleiner und mittlerer Städte ohne eigene Hochschulanbindung zu entwickeln, die auch in anderen Städten angewendet werden können. Im Fokus stehen hierbei Probleme, die aus dem demografischen Wandel und den Klimawandelfolgen entstehen. Die T!Raum-Initiative ist im Burgenlandkreis nicht nur in Weißenfels, sondern auch in Naumburg und Zeitz aktiv.