»Überraschungspakete« im Schuhmuseum
Die Leiterin des Schuhmuseums Isabell Radecke-Aurin und Heimatstipendiatin Jolanda Zürcher haben sich an die Aufgabe gemacht, die Bestände eines alten Schuhdepots im Weißenfelser Schloss durchzusehen. Seit April dieses Jahres sichten und beräumen sie den etwa 50 Quadratmeter großen Raum, der mit bis zu drei Meter hohen Regalen voller Schuhkartons gefüllt ist. In diesen lagern zum Teil seit mehreren Jahrzehnten Schuhe, auch aus DDR-Produktion. Oft befinden sich in einem Karton nicht nur der einzelne Muster-Schuh eines Paares, sondern bis zu 30 verschiedene Schuhe in unterschiedlichen Zuständen. „Es geht bei der Sichtung vorerst darum, was noch erhalten werden kann und was leider entsammelt werden muss“, sagt Isabell Radecke-Aurin. „Schädlinge wie Motten, Käfer, Schimmel und Stockflecken oder einfach der Zahn der Zeit haben einen Großteil der häufig sehr seltenen und unersetzbaren Schuhe zerstört.“ Dazu käme die Problematik, dass einzelne Bestandteile aus Polyurethan (PUR) sich mit den Jahren auflösen. „Ab den 1970er Jahren setzte man diesen Stoff vorwiegend für Sohlen ein. Diese Objekte können nur noch entsorgt und nicht mehr gesichert werden“, so die Schuhmuseums-Leiterin.
Jolanda Zürcher widmet sich derzeit im Rahmen des „Heimatstipendiums #3“ verborgenen Schuhschätzen im Museumsdepot. Dabei schaut sie auch auf die Verpackung. „Meine Aufgabe ist es, mich mit der Kulturgeschichte hinter den Objekten und als Illustratorin mit dem Schuhkarton auseinanderzusetzen“, sagt die Diplomdesignerin. Für eine Präsentation im Rahmen des Heimatstipendiums wird die 27-Jährige für von ihr ausgewählte Schuhe Verpackungen und ähnliche Objekte gestalten. Die Sonderausstellung wird ab Frühjahr 2027 im Museum gezeigt.
Ein erster Schritt auf dem Weg zur Sonderausstellung ist nun, den Bestand des Schuhdepots zu sichten. Zwei Tage im Monat arbeiten sich Jolanda Zürcher und Isabell Radecke-Aurin durch Berge von Objekten verschiedener Art. „Wenn wir eine noch geschlossene Verpackung in den Händen halten, ist es oft, wie ein Überraschungspaket zu öffnen“ sagt die Stipendiatin. „Manche Schuhe darin sind an sich einfach kurios. Umso größer ist die Freude, wenn sie und auch die Verpackung dann noch gut erhalten sind.“
Bisher sichteten Isabell Radecke-Aurin und Jolanda Zürcher ein Drittel des Depotbestandes. Etwa die Hälfte dieser Schuhe ist aufbewahrungswürdig. „Insgesamt haben wir nun etwa 10.000 Schuhe, die für zukünftige Präsentationen zur Verfügung stehen“, schätzt die Leiterin des Schuhmuseums. „Dabei sind wir noch lange nicht am Ende der Sichtung.“ Und Jolanda Zürcher freut sich über den Fund einiger außergewöhnlicher Kartons: „Ich habe schon einige Ideen, wie ich Altes mit Neuem verbinden kann. Zu Hause in meinem Atelier stehen erste Entwürfe für die Sonderausstellung.“