Heinrich Schütz Musikfest begeistert Weißenfels mit musikalischer Vielfalt
Nach 28 Jahren kehrt der Thomanerchor nach Weißenfels zurück – Wandelkonzert, musikalische Entdeckungen und neue Perspektiven auf Heinrich Schütz prägen das Festival
Mit eindrucksvollen Konzerterlebnissen, historischen Entdeckungen und ungewöhnlichen musikalischen Begegnungen ist das Heinrich Schütz Musikfest 2026 in Weißenfels zu Ende gegangen. Vom 2. bis 11. Oktober lud das Festival dazu ein, Heinrich Schütz und die Musikkultur des 17. Jahrhunderts aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Ein besonderer Höhepunkt war das Konzert des Leipziger Thomanerchores in der Weißenfelser Marienkirche. Nach 28 Jahren war der international bekannte Chor erstmals wieder in der Saalestadt zu Gast und stieß auf große Resonanz.
Unter der Leitung von Thomaskantor Andreas Reize präsentierten die jungen Sänger im Programm „Singet dem Herrn“ Werke von Heinrich Schütz, Johannes Brahms und Moritz Hauptmann. Die Rückkehr des traditionsreichen Ensembles verlieh dem Festivalwochenende eine besondere Bedeutung und unterstrich die enge Verbindung zwischen der Musikgeschichte Mitteldeutschlands und dem Erbe des Weißenfelser Komponisten.
Bereits am ersten Festivaltag hatte das traditionelle Wandelkonzert unter dem diesjährigen Motto „Weißenfelser Schütz-Spuren“ zahlreiche Facetten der Stadtgeschichte und der historischen Musiktradition miteinander verbunden. Vom Rathaus über den Marktplatz und die Marienkirche bis zum Heinrich-Schütz-Haus führte der musikalische Rundgang an Orte, die mit Heinrich Schütz und seiner Zeit verbunden sind. Chöre, Instrumentalistinnen und Instrumentalisten, die Tanzgruppe „Faux Pas“ sowie Mitglieder des Weißenfelser Gästeführervereins gestalteten die Stationen gemeinsam. Uwe Pösniger schlüpfte in die Rolle des Komponisten. Das Wandelkonzert machte deutlich, wie lebendig sich das kulturelle Erbe von Heinrich Schütz im Stadtraum vermitteln lässt.
Auch die historische Spurensuche spielte eine wichtige Rolle im Weißenfelser Festivalprogramm. Die Kabinettausstellung „Heinrich Schütz außer Haus I – Weißenfelser Schütz-Quellen“ im Rathaus gab Einblicke in ausgewählte historische Zeugnisse und die Spuren, die Schütz und seine Familie in der Stadt und der Region hinterlassen haben. Bei einer Sonderführung vermittelte Dr. Maik Richter, Leiter des Heinrich-Schütz-Hauses Weißenfels, Hintergründe zur Bedeutung dieser Quellen. Die Veranstaltungen verdeutlichten, dass die Auseinandersetzung mit Schütz weit über die Aufführung seiner Werke hinausgeht. Auch die Erforschung, Bewahrung und Vermittlung der historischen Überlieferung tragen dazu bei, sein Erbe für heutige Generationen zugänglich zu machen. Die Ausstellung läuft bis zum 6. November 2026, dem 354. Todestag von Heinrich Schütz.
Wie vielfältig die Zugänge zur Musik des 17. Jahrhunderts sein können, zeigte sich im weiteren Festivalverlauf. Bei der musikalischen Lesung „Das Treffen in Telgte“ im Fürstenhaus begegneten sich Literatur und Musik. Anlässlich des 441. Geburtstages von Heinrich Schütz las Dr. Maik Richter Passagen aus Günter Grass’ gleichnamiger Erzählung, die sich mit den Folgen des Dreißigjährigen Krieges und dem Wunsch nach Frieden und Verständigung auseinandersetzt. Das Weißenfelser Henricus-Ensemble ergänzte die Lesung musikalisch und schuf eine Verbindung zwischen den historischen Erfahrungen der Epoche und aktuellen Fragen.
Mit dem Ensemble THE PRESENT und seinem Programm „Schützling. Ein geselliger Abend in der Klangwelt des jungen Heinrich“ erhielt das Publikum im Alten Brauhaus einen spielerischen Zugang zur Musikgeschichte. Historische Gesänge und Volkslieder trafen auf ungewöhnliche Klangideen und Instrumente aus der kindlichen Lebenswelt unserer Zeit. Das Konzert zeigte, wie Alte Musik durch kreative Interpretationen neue Hörgewohnheiten ansprechen und auch Menschen erreichen kann, die bislang wenig Berührung mit dieser Musik hatten.
Einen weiteren Einblick in die europäischen Verflechtungen der Epoche bot das Konzert „Unter Kollegen“ im Fürstenhaus. Der Spezialist für historische Tasteninstrumente Benjamin-Joseph Steens spielte Werke von Matthias Weckmann, Girolamo Frescobaldi, Georg Muffat, Johann Jakob Froberger und Louis Couperin auf dem Clavichord. Dr. Maik Richter ergänzte die Musik durch literarische Texte vor allem von Dichterinnen aus dem 17. Jahrhundert. Damit wurde hörbar, wie intensiv sich Komponisten jener Zeit über Ländergrenzen hinweg austauschten und gegenseitig beeinflussten. Ein musikalischer Festgottesdienst in der Weißenfelser Marienkirche bildete am 11. Oktober den feierlichen Abschluss des Musikfestes 2026 in Weißenfels.
„Das Heinrich Schütz Musikfest zeigt, wie lebendig und vielseitig die Musik von Heinrich Schütz bis heute ist. In Weißenfels können wir seine Spuren an historischen Orten entdecken, seine Werke hören und zugleich neue künstlerische Zugänge ermöglichen und erleben. Besonders die Rückkehr des Thomanerchores nach 28 Jahren war ein herausragender Moment. Solche Begegnungen machen deutlich, welche Kraft in unserem musikalischen Erbe steckt und wie sehr es Menschen auch heute miteinander verbinden kann“, sagt Dr. Maik Richter.
Veranstalter des Heinrich Schütz Musikfestes ist die Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e. V. Das Festival verbindet die bedeutenden Lebens- und Wirkungsorte des Komponisten und schafft eine Plattform für historische Aufführungspraxis, wissenschaftliche Auseinandersetzung und neue künstlerische Perspektiven.